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Psychotherapie


Beschreibung des Angebots

Herr Heinen im Gespräch mit Frau KabilViele Menschen mit Epilepsie ziehen sich aus Angst vor den Anfällen, aber auch aus Angst vor den Vorurteilen, die mit dieser Krankheit verbunden sind, zurück. Aus diesem Rückzugs- und Vermeidungsverhalten, welches in einem Teufelskreis immer weiter verstärkt werden kann, resultieren nicht selten soziale Isolation, Angsterkrankungen und Depressionen. Selbst wenn medikamentös oder chirurgisch Anfallsfreiheit erreicht werden kann, ist damit nicht gesichert, dass dadurch auch solche eingespielten Verhaltensweisen verändert oder aufgehoben werden. Damit die Mechanismen solcher Teufelskreise in einem ersten Schritt verstanden werden können, brauchen Menschen mit Epilepsie oftmals psychotherapeutische Unterstützung. In einem zweiten Schritt geht es dann um das gemeinsame Erarbeiten von Lösungsmöglichkeiten. Damit eine vom Patienten gewünschte Entwicklung begonnen oder fortgesetzt werden kann, wird versucht, vorhandene Ressourcen zu unterstützen und auszubauen. Hier ergeben sich Kooperationen zu den Bereichen Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Medizinsoziologie.

Ein weiterer Aspekt psychotherapeutischer Behandlung von Epilepsien ist die Anfallsselbstkontrolle.

WartebereichEs lässt sich zeigen, dass die Lebensumstände und das Verhalten epilepsiekranker Menschen die Wahrscheinlichkeit, mit einem Anfall zu reagieren, erhöhen oder auch vermindern können. Davon ausgehend wurde ein verhaltensmedizinisches Modell der Anfallsentstehung entwickelt, das die folgenden Faktoren berücksichtigt:

  1. eine erworbene oder ererbte, organische Bereitschaft, mit epileptischen Anfällen zu reagieren (Ursache einer Epilepsie)
  2. verschiedene belastend wirkende externe und interne Stimuli, die oftmals erst in ihrer Summe für den jeweiligen Patienten zu kritischen Reizkonstellationen werden (Anfallsauslöser)und
  3. ungünstige körperliche und emotionale Verfassungen oder Grundgestimmtheiten (Anfallsauslöser).

Wirken diese Faktoren ungünstig zusammen, erhöht sich das Anfallsrisiko. Je nach Bedeutung der einzelnen Faktoren kann dann das Verhalten von Menschen mit Epilepsie - das heißt, die individuelle Reaktion auf ein erhöhtes Anfallsrisiko - zu einem weiteren entscheidenden Faktor für die Anfallsauslösung werden.

Ausgehend von diesem Modell werden in der Psychotherapie des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg zusammen mit den Patienten verschiedene Strategien der Anfallsselbstkontrolle erarbeitet:

  • Wenn definierbare kritische Reizkonstellationen oder ungünstige körperliche und emotionale Verfassungen das Anfallsrisiko erkennbar erhöhen und die erkannten anfallsfördernden Faktoren vermeidbar sind, ist die Vermeidung/Veränderung dieser anfallsauslösenden Faktoren eine vielversprechende Therapiemaßnahme.
  • Eine zweite Therapiemöglichkeit ist die Ermittlung anfallsverhindernder Verhaltensweisen und die Anleitung der Patienten, wie sie diese Verhaltensweisen in Situationen mit erhöhtem Anfallsrisiko einsetzen können.
  • Falls diese Möglichkeiten nicht zum gewünschten Erfolg führen, gibt es bei Patienten mit einem Vorgefühl (Aura) die Möglichkeit, den beginnenden Anfall mit einem auf die individuellen Vorgefühle abgestimmten Gegenmittel abzuwehren.

EntspannungstrainingDer Effekt der Selbstkontroll-Therapie besteht darin, dass über die Entwicklung von konkreten Gegenmaßnahmen die direkte Handlungsfähigkeit des Patienten im Umgang mit seiner Krankheit zunächst erweitert wird. Dadurch verliert der einzelne Anfall seinen Schrecken, die Epilepsie wird von den Betroffenen nicht mehr als ausgrenzender Makel verstanden, sondern kann als Aufgabe begriffen und Stück für Stück angenommen werden. Dies hat eine offene und produktive Auseinandersetzung mit der Krankheit zur Folge, in deren Verlauf es den Patienten zunehmend gelingt, das eigene Anfallsverhalten zu verstehen.

Daraus resultiert ein wachsendes Gefühl von Kontrolle, Angstabbau und schrittweise eine Überwindung des Gefühls, der Krankheit hilflos ausgeliefert zu sein. Über die sich damit entwickelnde Handlungskompetenz und das zunehmende Wissen über die Krankheit gelingt es wiederum, die Aktivität der Patienten weiter zu strukturieren, ggf. eine weitere Verbesserung der Gegenmaßnahmen zu erreichen und das Kontrollgefühl und Selbstvertrauen der Patienten weiter zu stärken. Damit ist ein sich selbst stabilisierender positiver Zyklus in Gang gesetzt.

Frau Kabil im Gespräch mit der Ergotherapeutin Frau TeskeHinsichtlich der Anfallsreduktion lassen sich die Effekte der Anfallsselbstkontrolle durchaus mit denen der neuen Antiepileptika vergleichen. Sie liegen bei einer durchschnittlichen Verminderung der Anfallsfrequenz um 40-50%. In Einzelfällen kann sogar Anfallsfreiheit erreicht werden. Die Stärke dieser Ergänzung der Epilepsietherapie liegt aber vor allem darin, das Verhalten der Betroffenen als eine Ressource zu nutzen, um sich selbst aktiv zu helfen. Die Erfahrungen, welche die Patienten dabei sammeln, können zu einer Verbesserung des Kontrollgefühls und darüber hinaus zu einer Steigerung der Lebensqualität beitragen.

Je nach individueller Eignung kann die Anfallsselbstkontrolle durch das Bio-Feedback-Training unterstützt werden. Das Bio-Feedback-Training wird in enger Kooperation mit der Arbeitsgruppe für Neuropsychologie angeboten.

Insgesamt wird durch die am Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg angebotenen psychotherapeutischen Maßnahmen versucht, ein besseres Verständnis der Erkrankung zu ermöglichen, die Handlungsfähigkeit im Umgang mit den Anfällen zu erweitern und ggf. auch die Bedeutung der Krankheit im Lebenskontext zu entschlüsseln.

Weitere Informationen zur Selbstkontrolle finden Sie auf folgender Homepage: http://www.epilepsie-selbst-kontrollieren.de.


Ansprechpartner:

Die psychotherapeutische Behandlung findet statt in Kooperation mit dem niedergelassenen psychologischen Psychotherapeuten (VT). Die Praxisräume befinden sich in den Räumen des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg (Haus 4).

Gerd Heinen
Termine nach Vereinbarung
Tel.: 030 / 5472-3034
Fax: 030 / 5472-3502
mail: gheinen@ezbb.de

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Letzte Aktualisierung:  22.06.2010